Mittwoch, 11. Dezember 2013

Kommissionen in der Innenstadt inspirieren mich immer

Es kommt darauf an, warum ich in die Stadt gefahren bin. Suche ich etwas Bestimmtes, schaue ich nur darauf aus. Habe ich Zeit zum Schlendern, interessieren mich die Menschen. Ich gehe aber nur in die Stadt, wenn Kommissionen zu erledigen sind. Alles, was ich dann erlebe, ist Beigabe, also Geschenk.

Es gibt immer etwas zu sehen, was neu ist. Ich treffe immer auf Menschen, die ich gar nicht kenne. Ich schaue in Schaufensterauslagen und stelle oft fest, dass sie an meinen Bedürfnissen vorbeizielen. Aber Gestaltungen von Schaufenstern sind immer interessant.


Dieser Tage ging ich den Zürcher Rennweg hinauf und sah einem jungen Mann zu, der verschweisste Pakete aus ihren Hüllen befreite. Es muss sich um eine komplette Lastwagenladung Spielzeugbausteine gehandelt haben. Er schlitzte die Plastikhüllen auf und verteilte die verschieden hohen Schachteln auf Paletten. Ich schaute zu und sagte nach einer Weile: Faszinierend, Ihnen zuzuschauen. Ihre Bewegungen wie im Ballett. Er stutzte, ohne seine Arbeit auch nur einen Augenblick zurückzuschrauben. Dann huschte ein leises Lächeln über sein Gesicht, und er sagte: Danke! Und schon war er wieder bei seiner Arbeit und tief in ihre Abläufe versunken. Er gab den Eindruck, als sei er ein Teil einer computergesteuerten Verteilungsmaschine. Sofort wurde mir klar: Er durfte seinen Rhythmus nicht verlieren, sonst fiele seine Aufgabe in sich zusammen.
 
Es sind seither ein paar Tage vergangen. Und noch immer sehe ich diesen Mann vor mir. Das Aufblitzen seines Blicks und eine gewisse Traurigkeit in seinen Augen. Obwohl ich seine artistische Arbeit bewunderte, wussten wir beide, dass dies eigentlich nicht menschengemäss ist, was er hier machen musste. Der Mensch als Teil einer Maschine sein, eingespannt in vorgegebenes Tempo.
 
Traurig auch, weil solche Arbeit der Weihnacht dienen muss. Das Spielzeughaus, dem er die Ladung lieferte, kann vermutlich alle Kinderwünsche erfüllen, wenn das nötige Geld vorhanden ist.
 
Ist das der Sinn von Weihnachten? Grosseltern, die 70 oder 80 Jahre alt sind, wundern sich schon lange, wie Materielles den Sinn dieses Festes erdrückt. Und wie die ausgepackten Geschenke in den Kinderstuben zur Spielzeughalde werden. Angeschaut und hingeworfen. Plastikwelt, nenne ich sie.
 
Gerne wüsste ich jetzt, wie man in 50 Jahren das Weihnachtsfest erklärt. Heute gibt es nur noch eine dünne Schicht der Bevölkerung, die den Sinn dieses Festes kennt und ihn in Geschichten auch nacherzählen kann. Aber in 50 Jahren, wenn die Kinder von heute selbst Eltern geworden sind, was werden sie diesem Fest hinterlegen? Vielleicht ist dann der materielle Reichtum schon längst Geschichte und taugt zu nichts mehr.
 
Es fällt mir auch auf, dass die Adventsstimmung immer weniger mit Christi Geburt in Zusammenhang gebracht wird. Krippen sind schon seit Jahren nur noch selten in Schaufenstern anzutreffen, und dass da ein Kind geboren wurde, das später als erwachsener Mensch einen friedlicheren Lebensentwurf verkündete und lehrte, scheint weitgehend ausgeblendet. Es gibt je nach Region keine oder nur noch wenige Bilder, die in der Gegenwart das Weihnachtsgeheimnis andeuten wollen.
 
Das Weihnachtsfest müsste eigentlich als Dankesfest gestaltet werden. Aber es ist ein Konsum orientiertes Fest geworden, das vielen Familien Stress und Unfrieden beschert. Schenken ist zu einem Zwang und Wettbewerb geworden. Zu einem Geschäft.
 
Gerade im rechten Augenblick, bevor ich etwas trübsinnig geworden wäre, entdecke ich einen Ausstellungshinweis des Landesmuseums Zürich. Dort kann bis zum 5. Januar 2014 eine Krippenausstellung besucht werden. Weihnachten und Krippen ihr Name. Und es heisst dazu, das Landesmuseum Zürich lasse zur Winterzeit die Kinderherzen höher schlagen. Mit speziellem Programm für die Kleinen, ohne dass die Grossen zu kurz kämen. Schöne Aussichten, auch für mich. www.landesmuseum.ch

Dann suchte ich die Apotheke St. Peter in der St. Peterstrasse 16 auf. Es ist meine Lieblingsapotheke, weil sie sich um die Komplementärmedizin kümmert. Das ist ihre Stärke. Dort imponiert mir die wunderschöne, noch an alte Zeiten erinnernde, aber gepflegte Einrichtung. Und immer gibt es dort einen der Jahreszeit entsprechenden Blumenstrauss. Dieser Ort strahlt aus, auch darum, weil die Kombination natürlicher Aromen der hier gelagerten Medikamente das Raumklima mitbestimmt. Da fühlt man sich einfach wohl, als Mensch.
 
Hier holte ich den WELEDA-Wandkalender für 2014 ab. Seit Jahren schenke ich mir diesen. Immer sind es künstlerische und dem anthroposophischen Welt- und Menschenbild entsprechende Bilder, die einen durchs Jahr begleiten. Diesmal wurden 12 WELEDA-Leitpflanzen dargestellt. Es sind dies Birke, Aloe, Brennnessel, Eurphrasia, Iris, Lavendel, Arnika, Calendula, Sanddorn, Granatapfel, Ratanhia und Wildrose. Das Kalenderblatt jedes Monats ist 2-lagig. Obenauf, auf Transparentpapier, die mit Tusch gezeichnete Pflanze. Unter ihr die farbige, gemalte Ausstrahlung. Es ging darum, in die Wesenhaftigkeit der Pflanze vorzudringen, sie mit allen Sinnen wahrzunehmen, nicht nur mit dem Sehsinn zu agieren, sondern auch auf den Tastsinn und Geruchsinn, also im Erleben der jeweiligen Pflanze zu reagieren. Diese Farbgestaltung wurde in der Technik der Aquarelltunkpapiere ausgeführt. Die Bilder bewegen, rühren an ihre Geheimnisse.
 
Auf dem Heimweg kaufte ich jenem SURPRISE-Verkäufer, der regelmässig vor dem Kramhof steht, wieder einmal eine Zeitschrift ab. Es ist dies ein Strassenmagazin, das von Arbeitslosen verkauft wird. Ich zahlte den Preis und wollte das Heft dem Mann zurückgeben, damit er es 2 x verkaufen könne. Da sagte er zu mir: Das wäre ein Verlust für Sie. Wir haben gerade diesmal einen ganz speziellen Beitrag über Partnerschaft und Geld drin. Und schon viele Komplimente bekommen. Er sagte es so, wie wenn er der verantwortliche Redaktor wäre. Also packte ich das Heft ein.
 
Dank dieser Zeitschrift wurde ich dann auf eine Ausstellung in der Pädagogischen Hochschule Zürich aufmerksam. Sie befasst sich mit dem Schleier und Kopftuch und wirbt für mehr Gelassenheit ihnen gegenüber. Ohne die erwähnte Zeitschrift hätte ich diese interessante Darstellung der Kulturgeschichte des Schleiers verpasst. Dem Zeitschriftenverkäufer sei Dank. Er hat mich gut beraten.
 
Die Ausstellung dauert nur noch bis zum 14. Dezember 2013.Es steht noch ein Referat aus dem Begleitprogramm bevor: 11.12.2013. Wie Kleider Leute machen. Anschliessend Podiumsdiskussion mit Menschen, die mit ihrer Kleidung ,auffallen’.
 
Hoffentlich schaffe ich es, auch noch dabei zu sein.

Sonntag, 17. November 2013

Nicht nur Geschäfte, auch Sternschnuppen erwartet

Aus der goldenen Pracht der Bäume, die uns bis vor kurzem umgaben, sind Skelette geworden. Die Blätter sind abgefallen. Der Herbst hat seine Zeichen wieder gesetzt. Die Sonne durchdringt jetzt nur noch selten die Wolkendecke. Da ist es zu Hause wieder am schönsten. Ich fühle mich in einem Zwischenreich. Die Farben sind am Verblassen. Grau dominiert.
 
Auch die Räbenlichter-Umzüge haben wieder stattgefunden. Einmal fuhr ich im Bus nach Hause, als an einer Station viele Kinder einstiegen, auch Eltern und Mütter mit Kinderwagen. Eine bunte Schar. Sie trugen Räbenlichter bei sich. Als diese an der Station eines Schulhauses alle ausstiegen, sprach mich eine Frau an, die ihrer Sprache nach keine Schweizerin war. Sie sagte, das sei ein christliches Fest, und diese Kinder da seien doch alle Muslime. Das passte in ihrem Denken nicht zusammen. Ich beschwichtigte sie, es sei ein Lichterfest. Es gehe hier um Dunkelheit und Licht und dass die Kinder die Nacht erfahren dürfen und ebenso, was Licht sei. Da bekam ich dann ein versöhnliches Lächeln geschenkt.
 
Auch diesmal standen Primo und ich mit Letizia auf ihrem Balkon und schauten auf den Umzug. Die Strasse dort ist abfallend und wenn hier Kinder mit ihren wackligen Lichtern vorbeiziehen, sieht es aus, wie wenn diese auf einem Bach daherkämen.
 
In der Zeit zwischen Herbst und Advent entdecken wir manchmal schon ersten Anzeichen der bevorstehenden Weihnachtszeit. Aber erst, wenn die Beleuchtung der Bahnhofstrasse ausstrahlt, erfahren wir den Zauber des Advents. In diesem Dezember 2013 wird die Beleuchtung Lucy erstmals am 21. Dezember um 18 Uhr eingeschaltet. Wer dann dort unterwegs ist, wird augenblicklich auf Weihnachten eingestimmt oder sogar programmiert. Es gibt immer Leute, die für diesen Augenblick extra in die Innenstadt kommen.
 
Materielle Dinge werden immer wichtiger und bestimmen das Weihnachtsgeschäft. Auch wenn sie golden verpackt sind, beantworten sie den Sinn dieses Festes nicht. Darüber werden vermutlich die Referenten der Sternschnuppen über Mittag sprechen.

Als ich dieser Tage in die Innenstadt kam, zog es mich wieder einmal in die Christkatholische Kirche, die wir Augustinerkirche nennen. Es ist nicht meine Kirche, aber ich gehe gern dorthin. Mir gefällt der Raum und die Atmosphäre. Auf einem Lettner, der den Altarraum vom Kirchenschiff trennt, stehen 3 Skulpturen. Christus in der Mitte, Maria links und vermutlich Johannes rechts von ihm. Die Beleuchtung dieser 3 Gestalten ist so geschickt eingerichtet, dass die Figuren ihre Schatten auf die gebogene Wand im Altarraums werfen und den Schein erwecken, die erwähnten Personen seien anwesend, mitten unter uns.
 
Im Advent bietet diese Kirche Sternschnuppen über Mittag an. Eine Veranstaltungsreihe mit Gastreferenten zur Weihnachtszeit. Sie ist beliebt und diesmal wir im Einladungsprospekt sogar von der 100. Sternschnuppe gesprochen.
 
Ab 21. November 2013, immer am Donnerstag, von 12.15 Uhr bis 12.45 Uhr, findet eine von 5 Sternschnuppen über Mittag statt. Es sprechen bekannte Persönlichkeiten zur Weihnachtszeit. Diesmal eröffnet Hildegard Schwaninger den Sternschnuppenreigen. Sie ist in Zürich als bestinformierte Gesellschaftsjournalistin bekannt. Es folgen weitere zu Zürich gehörende Menschen, die etwas zu sagen haben. Und alle Sternschnuppen-Zwischenhatle werden auf feinsinnige Art musikalisch untermalt.
 
Erwartet werden auch
Lorenz Marti, Journalist und Schriftsteller, bis vor kurzem Radiojournalist, Bereich Religion
Tony Styger, Seelsorger, Leiter der "Dargebotenen Hand"
Catriona Bühler, Sopran, Severine Schmid, Harfe
Franz Hohler, Kabarettist und Schriftsteller.
 
Es sind Angebote für Menschen, die sich über Mittag dem Beruf entziehen und in andere Sphären abgeholt werden möchten.
 
Am 1. Adventssonntag wird übrigens der Gottesdienst aus dieser Kirche um 10 Uhr bis 10 45 auf SRF 1 (im Schweizer Fernsehen) übertragen.
 
Weiter auf meinem Rundgang durch die Altstadt habe ich im Grossmünster Hinweise auf das offene Singen am ersten Advent (1. Dezember 2013) gefunden. Dieses gemeinsame, offene Singen traditioneller sowie neuer Advents- und Weihnachtslieder sei auch für Familien mit Kindern geeignet. Es findet um 17 Uhr im Zürcher Grossmünster statt.
 
Zürich ist nicht nur Bank- und Geschäftswelt. Es gibt hier auch ein religiöses Leben und Sinnfragen werden hier auch gestellt. Auch wenn darüber nur wenig Schlagzeilen zu lesen sind.

Montag, 4. November 2013

Gedanken zu Schrei, Schrei der Natur und zum Geschrei

In der Ausstellung mit Lithografien und Holzschnitten des Norwegers Edvard Munch (1863‒1944), hat mich das Thema Der Schrei besonders angesprochen. Es ist weltbekannt. Primo entdeckte gleich, dass Munch der Lithografie aber den Titel Der Schrei der Natur gegeben hat. Handschriftlich, gut lesbar. Allgemein wird immer nur vom Schrei (Der Schrei) gesprochen.

Das Bild dazu kann ich hier nicht zeigen. Aber aus einer kleinen Schrift, die das Kunsthaus zur Verfügung stellt, Munchs eigene Worte zum Bildinhalt wiedergeben:
Ich ging die Strasse entlang mit zwei Freunden – Die Sonne ging unter. Der Himmel wurde blutig rot – Und ich fühlte einen Hauch von Wehmut – Ich stand still erschöpft bis zum Tod – über dem blau-schwarzen Fjord und der Stadt lagen Blut und Feuerzungen. Meine Freunde gingen weiter – ich blieb zurück – zitternd vor Angst – Ich fühlte den grossen Schrei der Natur.
 
Hier wird vom Schrei der Natur gesprochen. Mir erschien diese Bezeichnung sofort umfassender. Wir alle sind Natur, eingebettet in Natur. Wir erfahren sie innerhalb und ausserhalb von uns.
 
Ein 3. Titel, den ich etwas später entdeckte, liess mich das Bild dann noch besser verstehen. Dem erwähnten Text gegenüber ist die dazugehörige Lithografie abgebildet. Und sie trägt den Titel Das Geschrei.
 
Das Bild zeigt Munch oder den personifizierten Schrei, an ein Geländer angelehnt. Die Freunde sind weggegangen, schauen nicht mehr zurück. Das Wasser im Fjord ist ruhig. Der Himmel bewegt, ängstigt aber nicht. Munch schrieb von Blut und Feuerzungen. Das reproduzierte Bild, das ich vor mir habe, zeigt nur eine schwarz-weisse Version.
 
Da steht einer und schreit. Mit weit aufgerissenen Augen. Mit den Händen die Ohren verschliessend und gleichzeitig den Kopf stützend. Schreit er nach innen, um das Geschrei in seiner Seele zu übertönen, es zu ängstigen, dass es verstumme?
 
Die Freunde, die weitergegangen sind, können ihn nicht hören. Und die ruhige Natur um ihn nicht trösten. Es wird verständlich, dass alle Bilder von Munch, die als Der Schrei bekannt geworden sind, auch Der Schrei der Natur und Das Geschrei darstellen. Wir begegnen ihnen öfters auch als Illustration, wenn Ausweglosigkeit dargestellt werden soll.
 
Obwohl die Bilder dieser Ausstellung Abgründe aufzeichnen und davon erzählen, wie einsam und verlassen sich dieser Mann immer wieder gefühlt haben muss, drückten uns die Werke nicht nieder. Der künstlerische Ausdruck und die grossartige handwerkliche Technik stellen das Gegengewicht dar.
 
Und sie wecken Mitgefühl und lösen Gespräche aus. Munch wird vermehrt verstanden. Man beschäftigt sich mit ihm. Für manch leidende Persönlichkeiten mögen seine Bilder Trost sein. Jetzt hat er Freunde, die bei ihm bleiben und ihn verstehen.
 
In dieser Ausstellung werden 150 grafische Meisterwerke gezeigt, die in solcher Gesamtheit noch nie ausgestellt worden sind.
 
Die Ausstellung im Kunsthaus Zürich dauert noch bis 12. Januar 2014.
 
Im Internet sind Abbildungen von Munchs Schrei zu finden. Es existieren verschiedene Repliken und auch Gemälde zu diesem Thema. Auch farblich gibt es Variationen.
 
Die Ausstellung zeigt noch weitere Aspekte aus den Grunderfahrungen unserer menschlichen Existenz: Liebe, Leidenschaft, Einsamkeit und Trauer. Der Schrei ragt nur für mich so dominant heraus.
 
Gepackt hat mich aber auch die Darstellung einer Frau, die sich vom Mann abgewendet hat. Sie schaut aufs Meer. Der Wind lässt ihre langen Haare waagrecht flattern. Und weil sie sehr lang gewachsen sind, können sie den hinter sich stehen gelassenen Mann berühren. Wenn ich mich recht erinnere, setzten sich die Haarspitzen auf seiner Schulter ab. Ist er berührt und hofft er, dass er noch nicht ganz verlassen worden ist?

Freitag, 11. Oktober 2013

Die Reise nach Lure war korrekt, die Rückfahrt verflixt

Auf der Heimreise, im französischen Belfort angekommen, lasen wir beim Umsteigen auf der Informationstafel, dass der vorgesehene Regionalzug ausfalle. Er hätte uns nach Mulhouse führen müssen. Wir suchten eine spätere Abfahrtszeit und bemerkten gleich, dass dann die Weiterreise ab Mulhouse mit dem TGV, (Train à grand vitesse, dem Hochgeschwindigkeitszug) nicht mehr gesichert sei.
 
Den Informationsschalter fanden wir. Er war aber nicht besetzt. Primo klopfte ans Fenster und scheuchte einen Angestellten auf. Dieser wies uns den Weg zur Station, wo ein Bus eintreffen werde.
 
Es warteten schon viele Leute. Ich fragte einen jungen Mann, ob hier der Bus nach Mulhouse zu erwarten sei. Er hoffe es, sagte er und signalisierte eine allgemeine Unsicherheit. Verschiedene Personen versuchten, übers Natel Informationen aufzufangen. Erfolglos. Nach einer halben Stunde kehrten Primo und ich in die Bahnhofhalle zurück. Nun war der Informationsschalter sogar geschlossen. Und an der Tafel mit den Abfahrtszeiten gab es keine neuen Nachrichten für uns.
 
An einem Billettschalter wurde uns gesagt, der erwartete Bus treffe in 5 Minuten ein. Mehrmals rief der Mann 5 Minutes, 5 Minutes, und wir verstanden, dass wir uns beeilen müssen. Der Bus war wirklich eingetroffen. Eine Menschentraube stand davor. Eintreten durfte vorerst niemand. Es wurde noch der schriftliche Auftrag für diese ausserordentliche Fahrt erwartet. Man hatte einen Schulbus ordern können. Als der Überbringer dann ankam, wurde er von verschiedenen Personen bestürmt. Sie stellten Fragen, ohne aber diesen Mann speziell zu grüssen. Darum sagte er zu jeder Person, die ihn angesprochen hatte: Bonjour! Wurde die Frage wiederholt, hiess es gleich wieder Bonjour! Es war ein Beamter alter Schule, der eine korrekte Begrüssung verlangte, bevor er eine Antwort gab. Grotesk. Es war doch eine aussergewöhnliche Situation. Als er dann das Auftragspapier übergeben hatte, fragte der Chauffeur nach der Billettkontrolle. Ob er sie übernehme. Er winkte ab. Dann durften wir einsteigen und abfahren.
 
Einige Fahrgäste richteten sich sofort zum Schlafen ein. Primo und ich interessierten uns für die Fahrt, für die Wege, die uns auf die Landstrasse führen konnten, denn der Bus musste die Dörfer an den Bahnstationen bedienen.
 
Imposant wirkte ein erhöhtes Rondell, in dessen Kreis er hineinfuhr, um auf die Gegenfahrbahn zu gelangen ... und gleich danach wieder beim Bahnhof Belfort einzutreffen, von wo wir soeben weggefahren waren. Jetzt aber befanden wir uns auf der anderen Strassenseite.
 
Dieser Rundlauf schenkte uns einen grossartigen Überblick auf die Zufahrten der gigantischen Autobahnen. Eine Weile fühlte ich mich in einem Film von Jacques Tati, dem Kritiker der modernen Zivilisation. Er hatte uns schon vor Jahrzehnten in seiner humoristisch-kritischen Art und mit Übertreibungen auf solche Zwänge aufmerksam gemacht.
 
Anfänglich empfand ich die Fahrt über Land und durch die Orte sehr ansprechend. Es wurde uns da eine Art fahrendes Bilderbuch geboten. Ich entdeckte auch die Vogesen. Doch nach der halben Reise wurde ich unruhig. Es meldeten sich in mir allfällige Probleme mit unseren Fahrkarten. Die letzte Etappe unserer Bahnreise hatten wir im TGV mit fixem Sitzplatz gebucht. Und der war doch schon längst abgefahren.
 
Inzwischen war es Abend geworden. Die Sonne verabschiedete sich. Ich übte in Gedanken französische Sätze, um unsere Situation an einem Schalter gut verständlich erklären zu können.
 
In Mulhouse angekommen, löste sich die Schulbusgesellschaft sofort auf. Alle gingen ihrer Wege, verschwanden aus unserem Blickfeld. Wir hasteten in die Schalterhalle. Und wieder wurde Geduld verlangt. An 5 Schaltern wurde bedient und in Schlangen gewartet.
 
Hier war bekannt, dass ein Zug ausgefallen sei. Die Anpassung unserer Fahrkarten an einen nächsten TGV, aber erst ab Basel, wurde handschriftlich und mit Stempel beglaubigt. Und der Regionalzug nahm uns rechtzeitig dorthin mit.


Für die letzte Etappe nach Zürich gab es auch für uns noch freie Plätze. Es war ein Zug älteren Jahrgangs. Die Einrichtung mit entsprechendem Charme. Jetzt konnten wir uns entspannen. Die Reise verlief im Nu.
 
Wir wunderten uns nur darüber, dass jetzt niemand unsere Fahrkarten sehen wollte. Alle Verunsicherung und Vorbereitung erwiesen sich als überflüssig. Aber Ende gut, alles gut.

Donnerstag, 3. Oktober 2013

Ravenna/Italien: die Schönheit aus dem 5. Jahrhundert

Die ungefähr 600 km lange Reise von Zürich nach Ravenna verlief angenehm ruhig. Der Bus wurde von einer Frau gesteuert, der ich von meinem erhöhten Sitzplatz aus zuschauen konnte. Souverän führte sie das Gefährt und strahlte grosse Sicherheit aus.
Was ich auf der Reise besonders schätzte: Wir wurden nicht mit Musik berieselt. Vor 20 oder 30 Jahren war man noch der Meinung, Fahrgäste im Bus müssten unterhalten und wie eine Schulklasse geführt werden. Laute Musik und Witze waren im Fahrpreis inbegriffen. Die Kundschaft von heute ist nun reisegewohnt, kann sich selber unterhalten oder schlafen.
Ich verfolgte die Fahrt mit den Augen, zog die Schleifen, wie sie unser Gefährt machen musste, mit. Existiert jetzt vielleicht ein schönes Bild davon in meinem inneren Archiv?
Abwechslung boten mir die Botschaften auf den Leuchtschrifttafeln an der Autobahn. Obwohl mit nur wenig Kenntnissen der italienischen Sprache, verstand ich eine sofort: DAS LEBEN IST MEHR WERT ALS EIN SMS.
Als wir uns Ravenna näherten, entdeckte ich ein altes Stadttor, und die dahinter liegende Altstadt winkte mir zu. Unser Bus musste aber die für ihn konforme Strasse benützen. Dieses Tor wies uns zwar ab, doch es wirkte wie ein Theatervorhang auf mich. Bald werde die Vorstellung beginnen.

Ravenna gehört zum UNESCO Weltkulturerbe und bewirbt sich neuerdings auch noch für die Auszeichnung Kulturhauptstadt Europas 2019. Ich kann diesen Anspruch verstehen. Die sehr alten Kunstschätze, zu denen dieser Ort Sorge trägt, sind einmalig. Hier hat sich altchristlich byzantinische Mosaikkunst aus den ersten Jahrhunderten nach Chr. erhalten. Ihre Bildgeschichten strahlen orientalische Erzählfreude und grosse Frömmigkeit aus. Die handwerkliche Kunst mit ihrem Gold und den Farben ist unübertroffen. Für diese Schönheit gibt es keine Worte. Man muss sie sehen können.

Der erste Spaziergang führte aber zum Mausoleum von Kaiser Theodorich, das nicht mit Mosaiken ausgeschmückt ist. Aber die aus istrischem Kalkstein erbaute Kuppel weckte grosses Erstaunen. 10 m Durchmesser, 1 m Dicke, ca. 300 Tonnen schwer. Wie mag die aus einem einzigen Steinblock gearbeitete Decke auf den Unterbau gehievt worden sein? Die technischen Hilfsmittel, wie wir sie heute kennen, standen 526 n. Chr. noch nicht zur Verfügung. Diese Herkulesarbeit wurde bewundert. Primo malte uns den möglichen Hergang einer solchen Leistung aus. Und er freute sich wieder einmal, dass sein Grossvater Bürger von Ravenna war. Eine etwas jüngere Frau als ich es bin, beobachtete uns. Und dann sprudelte auch ihre Freude auf. Ihr Grossvater stammte ebenfalls aus Ravenna. Und verdiente sein Auskommen auch als Schneider und als Sänger. Exakt wie Primos Grossvater.

Anderntags besuchten wir auch meine Lieblingskirche, die Basilika San Vitale. Ein riesiger Bau, als Oktogon erbaut. Seine Grundmasse: vielleicht 30 m im Quadrat. Mit prachtvollen Säulen, die den Raum abstützen und seine Grösse in prächtige Nischen aufteilen, ihn aber nicht zerschneiden. Ein Ort, wo alle lange verweilen wollten. Einigen fiel es schwer, sich von ihm zu verabschieden, weil uns die sanfte Orgelmusik noch zusätzlich in höhere Sphären trug. Und als wir wieder auf die Erde zurückkehrten, fielen unsere Blicke auf die aus Marmor geschaffenen Intarsienböden. Unerschöpflich der Reichtum an Ornamenten und das Spiel mit ihnen.
 
In einer Buchhandlung wurden wir auf 2 schlichte, fein gestaltete Schriften aufmerksam, die das Leben von 2 machtvollen Frauen nacherzählen. Das Leben der Galla Placidia* und Das Leben der Theodora*. Theodora begegnete uns in Mosaiken, Galla Placidia ihrerseits mit ihrem Mausoleum. Dies ist ein Wunderwerk an Schönheit, Ausstrahlung und Frömmigkeit.

Die Lebensläufe beider Frauen beschreiben dramatische Lebensgeschichten. Ich zitiere die Klappentexte als Zusammenfassung in kürzester Form. 

Galla Placidia
... lebte von 392 bis 450 nach Chr. Sie war die Tochter von Galla und Theodosius, dem grossen Römischen Kaiser.
Galla Placidia, eine gebildete und intelligente Frau, deren Faszination grosse Leidenschaften entfesselte. Von der kaiserlichen Prinzessin wurde sie zur Gefangenen der Goten, dann deren Königin und letztendlich römische Kaiserin. Die von ihr erbauten Werke, ganz besonders ihr eigenes Mausoleum, haben sie unsterblich gemacht.

Aus dieser Lektüre habe ich erfahren, dass sie auf einer Reise mit ihren beiden Kindern nach Konstantinopel unterwegs war, als das Schiff in Seenot geriet. Gewitter und Sturm gefährdeten alles Leben. In dieser grossen Not rief Galla Placidia den heiligen Johannes an, versprach ihm eine Kirche, wenn er sie rette. Und sie hielt ihr Versprechen, liess die Kirche dann bauen. Die Basilika trägt seinen Namen San Giovanni Evangelista. Wir waren Nachbarn. Das Hotel, in dem wir einquartiert waren, befindet sich dieser Kirche gegenüber. Sie ist eine von den 8 prächtigen Kirchen, neben weiteren Baudenkmälern, die zum kulturellen Reichtum Ravennas gehören. 1944, im 2. Weltkrieg, wurde sie bombardiert, ist aber wieder aufgebaut worden.

Sie wird mir in guter Erinnerung bleiben, weil hier sehr alte, sehr schlichte Naturstein-Mosaike gehütet werden. Bilder ohne Farbe, ohne Gold. Schon vor 40 Jahren, als ich mit meiner Familie erstmals nach Ravenna gekommen war, sprachen mich 2 Motive persönlich an. Ich sah da mein Leben als Frau. Die eine Tafel zeigt eine Frau, die dem Mann eine Blume hinhält und er signalisiert, dass er sie annehmen will. Auf der zweiten ist dieses Paar dann in einer Stadtumfriedung eingebunden. In der linken Ecke die Frau, in der rechten der Mann. Zeigte das erste Bild die Liebe und das Ja zur Ehe, wird im zweiten erzählt, dass Frau und Mann auch in eine grössere Gemeinschaft eingebunden sein müssen, um das Leben zu meistern und Heimat zu erfahren. Es war ein bewegendes Wiedersehen, und ihre Botschaften konnte ich als Erfahrung bestätigen.

Wer diese Kirche besuchen will, geht durch einen Garten, wird dort von klösterlichen Gesängen (ab Band) empfangen und auf den Ort eingestimmt. 

Theodora
... lebte von ca. 500 n. Chr. bis 548
Eine Frau, die zuerst die Volksmassen als Schauspielerin im Zirkus, dann das Herz des Kaisers zu gewinnen verstand und letztendlich mit Intelligenz und Strenge ein Kaiserreich aufbaute. Die Pracht der von ihr gewollten Mosaiken macht sie unsterblich.

Aus Ihrer Geschichte imponiert mir, wie sie ihre Herkunft nie vergass und sich für die Rechte der Frauen einsetzte. Ihr Leben ist so facettenreich und so dramatisch, dass ich ihr mit ein paar Sätzen nicht gerecht werden kann. Diese Biografie muss man selber lesen.

Was wir auch schätzten: Die freie Zeit, die den Einzelnen der Gruppe zugestanden worden ist. Das Schlendern im aktuellen Ravenna. Der gemächliche Altstadtverkehr zu Fuss oder mit Velos. Sehr sympathisch, nicht nervös. Kein Vergleich mit den Velofahrern in Zürich, die mehr und mehr wie aufgescheuchte Vögel davonpfeilen.
Gefallen hat mir auch diesmal wieder das Leben auf der Piazza del Popolo, umgeben von Bauten, deren Namen ich nicht alle kenne. Vorab das Rathaus mit seinen Flaggen und auf der Westseite dem venezianischen Palast. Hier den Sonnenuntergang mit einem Apéro zu geniessen, bedeutete mir echte Italianità.

Auf der Hinfahrt Richtung Süden gab es keine aufragenden Bergmassive, nur Weite, nur die schnurgerade Autobahn, die den Horizont berührt. Ob sich dort das Ende der Welt befindet, war nicht auszumachen.

Auf der Heimfahrt steuerten wir wieder den Alpen zu. Rasch erschienen sie in unserem Blickfeld, und das Licht des Südens bekam mehr und mehr einen leichten Graustich.

Letzter Halt in Erstfeld. Die für die Buslenker vorgeschriebenen Ruhepausen wurden strikt eingehalten. Auch wir Fahrgäste schätzten den kurzen Auslauf oder eine Zwischenverpflegung. Was mich angenehm überraschte: In Italien dürfen Toiletten in den Raststätten gratis benützt werden. Auf dem Rückweg in der Schweiz erlebte ich dann unsere sprichwörtliche Kleinlichkeit. Hier kostete ein Toilettenbesuch in der Autobahnraststätte einen Franken. Dieser wurde zurückerstattet, wenn danach noch Kaffee getrunken wurde.

Ravenna und die erwähnten Kaiserinnen sind im Internet dokumentiert. Mit den in diesem Beitrag kursiv gesetzten Wörter können Fotos und Texte gefunden werden.

Die Biografien sind bei EDIZIONI TIPOLITO STEAR in Fornace Zarattini (Ravenna) erschienen.
*ISBN 88-87747-08-3 für Galla Placidia
*ISBN 88-87747-09-1 für Theodora

Mittwoch, 25. September 2013

Der Suteracher – immer noch mein beliebter Einkaufsort

Der Ort, wo sich die Coop-Filiale am Suteracher befindet, war mir vom ersten Moment an sympathisch. Noch immer trägt er etwas Ländliches an sich. Der Name weist auf einen Acker hin, der einer Familie oder einem Mann namens Suter gehört haben muss.
Als ich erstmals hier angekommen war, zeigte sich mir ein prägendes Bild. Es standen da im Umfeld des Coop-Ladens ein Mann und eine Frau gesetzten Alters in lebhaftem Gespräch. Die Frau trug einen Korb mit ihren Einkäufen am Arm. Ich fühlte mich in die Kindheit zurückversetzt und sofort zu Hause.
 
Begeistert erzählte ich meiner Familie von dieser Entdeckung und verglich den Ort mit einem Dorf im Bündnerland, denn am Suteracher befinden wir uns auch auf einer Anhöhe. Wir sehen zum Hönggerberg hinüber und wissen, dass unten im Tal die Limmat Richtung Aare fliesst.
 
Dieser Coop-Laden musste nun modernisiert werden. „Für Sie modernisisieren wir“, hiess es in der Mitteilung. Gleichwohl wurde ich sofort heimatlos. Immerhin: Der Einkaufsort wurde erhalten. Und in der Umbauzeit konnte ich auf andere Filialen ausweichen. Doch keine bot mir eine vergleichbare velotaugliche Zufahrt. Und Parkierungsmöglichkeiten sind auch nicht überall ideal. Dann wurden mir schon wieder meine wertvollen über den Packträger gestülpten Taschen gestohlen. Nicht aber vor einer Coop-Filiale.
 
Während der Umbauzeit fühlte ich ein gewisses Heimweh, und die Wartezeit schien mir unsäglich lang. Als sie vorüber war, änderte sich dieses Zeitgefühl. Ich begann, von dieser Warte aus über Heimat nachzudenken. Was ist Heimat, wo sind wir heimisch? Dort, wo wir die Ordnungen kennen, wo wir nicht mehr über sie nachdenken müssen. Wo uns Menschen bekannt sind, wo die eigene Sprache verstanden wird. Wo wir als Bekannte gegrüsst werden, wo wir dazu gehören.
Der Umbau ist nun abgeschlossen. Der Laden, der sich nun Coop-Center nennt, ist geöffnet und bietet eine viel grössere Produkte-Palette an. Als ich erstmals hier zum Einkaufen ankam, empfand ich die ganze Atmosphäre, wie wenn hier eine militärische Parade stattfände. Jede Packung, jede Flasche, jede Büchse usw. standen Spalier. Kein Produkt trat aus der Reihe, keine Lücke war auszumachen. Perfektion auf einen Blick. Einladend im Eingangsbereich die Farben von Gemüsen und Früchten.
 
Enorm die Erweiterung des Raums und der Angebote. Mit Wein kann man offenbar Geld verdienen. Ihm steht viel Raum zur Verfügung. Aber für unsere Müesliflocken, die wir im alten Laden immer einkaufen konnten, gibt es keinen Platz mehr. Käse wurde in einer Kühltruhe locker zu einem Haufen eingefüllt, wie wenn der Begriff „Auf den Markt werfen“ dargestellt werden wollte.
 
Es wird eine geraume Zeit vergehen, bis ich hier wieder heimsich werde. Das Personal, das ich zum grossen Teil schon kenne, wird uns helfen, dass wir das finden, was wir suchen.
 
Jetzt, bei der Rückkehr, stelle ich fest, dass sich bei jenen Lebensmittelverteilern, die ich als Überbrückung benützt habe, auch ein gewisses Heimatgefühl eingestellt hat. Ich habe Orte besucht, die ich bis anhin ignoriert habe. Und ich habe Neues entdeckt. So kann Konkurrenz entstehen.
 
Doch für mich ist der Suteracher immer noch der Liebling. Einerseits wegen der problemlosen Zufahrt mit dem Velo, aber auch ganz sicher wegen des freundlichen und hilfsbereiten Personals, das ich grösstenteils seit 5 ½ Jahren kenne.

Sonntag, 8. September 2013

Wenn Mäuse im Traum erscheinen, verheissen sie Glück

Diese Prognose hat sich für mich noch nicht erfüllt. An sie glaubte man vor 100 Jahren im Zürcher Oberland. Als Kind hörte ich die Erwachsenen darüber sprechen. Mäuse lernte ich viele kennen, aber nie solche, die mir das grosse Glück im Traum gezeigt und dann in der Realität auch gebracht hätten.
 
Mäuse empfingen uns aber schon bei der Ankunft in Zürich. Wir hatten gerade unsere Wohnung betreten und die Zimmer angeschaut. Mutter wollte dann die mitgebrachten Lebensmittel im Küchenschrank versorgen. Sie öffnete die Tür und erschreckte ein Rudel Mäuse. Diese sprangen ihr entgegen, fielen zu Boden und rannten so schnell davon, dass wir sie unmöglich hätten fangen können.
Unsere Wohnung befand sich im Gebäude einer Glasmanufaktur. Das Haus war alt und von Mäusen bewohnt. Zusätzlich wurden diese Nagetiere noch importiert. Man entdeckte sie, wenn Glaslieferungen aus dem Ausland angekommen waren. Sie reisten im Güterzug im Verpackungsstroh mit. Es gäbe eine spannende Kindergeschichte, wenn man sich ihre Abenteuer ausmalen würde.
 
Für meine Mutter war es eine Art Tiefschlag, als sie von den Mäusen begrüsst wurde. Sie war eine Frau, die Ordnung und Sauberkeit schätzte und sie auch pflegte. Der Vater füllte dann alle erdenklichen Schlupflöcher und Ritzen mit Stahlwatte aus. Nach ruhigen Phasen wurden wir aber immer wieder neu überfallen.
 
Einmal jüngelte eine Mausmutter unter meinem Kopfkissen. Ich konnte nicht einschlafen. Unbekannte Töne ängstigten mich. Ich dachte eher an böse Geister als an Mäuse, stand auf, weckte den Vater. In diesem Zimmer würde ich nie mehr schlafen. Es sei unheimlich. Er stand sofort auf, kam in mein Zimmer, hörte die unbekannten Töne auch. Er zog die Bettdecke und dann das Kopfkissen von der Matratze weg. Und dann staunten wir. Wir sahen ein idyllisches Bild. Eine Mausmutter hatte unter meinem Kissen ihre Jungen geboren. 5 Mäuschen kuschelten sich an sie. Kein Wunder, haben sie gestöhnt, als das Gewicht meines Kopfes auf sie drückte.
 
Im Gespräch mit einem Bekannten, erwähnte ich dieses Erlebnis. Er sagte sofort: Mit dä Müüs machsch immer zweite. (Im Wettstreit mit den Mäusen verlierst du immer.) Und dieser Mann erzählte mir, dass er oft versucht habe, dieses Gesindel in einen ausweglosen Bezirk zu manövrieren, wo er sie dann fangen und ins Freie befördern könnte. Einmal sei es gelungen. Er freute sich enorm. Aber nicht lange. Als er dann zur Post ging und am Schalter seine Mappe auf der Ablegefläche öffnete, sprang noch die letzte Maus aus ihrem originellen Versteck heraus.
 
Florian, ein fröhlicher Bub im Vorschulalter, beobachtete im Riegelhaus seiner Eltern manchmal auch Mäuse, und er verstand, dass man sie dort nicht gern sah. Er wünschte, dass die gefangenen nicht sterben müssen. Die Eltern schlugen vor, Mäuse in Fallen zu fangen und sie dann im Wald wieder frei zu lassen. Der Bub freute sich, wie sich nur ein Kind freuen kann. Ich durfte ihn und seine Mutter in den Wald begleiten. Freudig schritt er aus, uns voran. Er schwenkte die Falle hin und her. Doch, noch bevor wir dort eintrafen, war die Maus eingeklemmt und tot.
 
Ohne Todesfall geht aber die nächste Geschichte aus:
 
Da wohnten wir schon im Bernoullihaus in Zürich. Eines der Nachbarhäuser wurde umgebaut und die Kellerräume vergrössert. Plötzlich beklagten sich verschiedene Anwohner über Mäuse, die offenbar ihr Zuhause verloren hatten. Als solche in unserer Stube entdeckt wurden, war ich nicht zu Hause. Der Vater betreute die Kinder. Sie erzählten mir anderntags, er habe es ihnen verboten, mir davon zu berichten, aber sie möchten es mir doch sagen, was passiert sei. Im Schrankfuss in der Stube, wo die Kirschensteinsäcke aufbewahrt wurden, hätten sie eine Maus-Familie entdeckt. Dieses Kirschensteingelände muss für ihre Wohnung ideal gewesen sein. Es liess sich leicht formen und ein gemütliches Zuhause zurechtdrücken.
 
Vater und Kinder suchten Kartons und richteten einen zur Haustür führenden Gang ein. Der Mausfamilie wurde geraten, ein neues Zuhause zu suchen. Dieses hier sei ungeeignet, nicht das richtige für sie. Die Steinsäcke wurden gekippt. Die Mäuse sausten davon, hatten keine andere Wahl, als das Haus zu verlassen. Und die Kinder hofften, dass sie bald einen Ort fänden, wo sie keine Angst vor Menschen haben müssen.
 
Danach suchten wir nach Mauslöchern, die wir dann mit Zement ausfüllten. Mein Vater brachte uns aus seinem Garten noch Pflanzen, die Mäuse nicht leiden können. Wir legten sie im Keller aus, wo wir früher Mäuse herumspringen sahen. Dann herrschte Ruhe. Eine Zeitlang fühlten wir uns dieser Eindringlinge wegen gar nicht mehr so richtig zu Hause. Letizia sagte einmal: Ich bi gar nüma eso heimelig da.
 
Im Umfeld der Glasmanufaktur gab es seinerzeit auch Ratten. Diese führten aber ihr Leben, ohne dass sie uns störten.
 
Meine Mutter erlebte einmal einen berührenden Besuch von einer Ratte. Sie stand am Schüttstein, das Fenster über ihm war geöffnet. Sie hörte eindringliche Klagelaute eines Wesens, das sie nicht zu kennen schien. Sie öffnete das grössere Fenster nebenan und sah auf dem Sheddach der Glasmanufaktur eine Ratte daherkommen. In der Schnauze hielt sie den Kopf ihres Kindes, dem ein grösseres Tier den Körper geraubt hatte. Die Mutterratte legte das, was von ihrem Kind noch übrig geblieben war, auf den Fenstersims unserer Küche und klagte über diesen Tod. Meine Mutter verstand den Schmerz sofort, hat gewiss ein paar mitfühlende Worte gesprochen, obwohl sie nicht wusste, wer das Ratten-Kind getötet hat. Wenn sie darüber sprach, verstand ich, dass Mütter, die ein Kind verlieren, denselben Schmerz verspüren, ob es ein Mensch ist oder ein Tier.
 
Ich weiss nicht, ob Katzen Ratten angreifen. Wenn dem so ist, könnte unsere Katze die neugeborene Ratte damals getötet haben. Dann wäre der Besuch als Klage an sie und unsere Familie aufzufassen. Dass ich nach mehr als 50 Jahren noch daran denke, ist ein eindrückliches Zeichen, wie stark diese Geschichte auf mich gewirkt hat.

Samstag, 10. August 2013

Zürich wird manchmal als Sündenbabel wahrgenommen

Eine Verkäuferin in einer Bäckerei hatte mich gefragt, wo ich heute lebe. Ich hatte ihr erzählt, dass ich hier in Wald ZH geboren worden und wieder einmal zurückgekommen sei. Ich sei in Zürich zu Hause. „Ui!“ rief sie und wollte wissen: „Und dort können Sie leben?“ Ich erzählte ihr vom Wohnen an der Limmat und jetzt am Stadtrand und beinahe am Waldrand. Sie staunte.
Als ich den Artikel im Tagblatt der Stadt Zürich vom 07.08.2013 zum Thema Aidsgefahr an der Technoparty gelesen hatte, konnte ich ihre Frage plötzlich besser verstehen. Wenn die Medien mehrheitlich die Sensationen und die Kriminalität in der Stadt abbilden, muss ein Zerrbild entstehen. Zum erwähnten Artikel gehört auch eine Foto, ein Ausschnitt aus der Menschenmasse einer früheren Parade. Ein Bild ohne Übersicht, wie man sich diesem Gerangel entziehen könnte. Die Menschen stehen so dicht an dicht, dass sie eingepfercht sind.
 
Aber man soll auch wissen: Für die Street-Parade kommen jeweils viele Menschen aus anderen Kantonen und ebenso aus dem Ausland in unsere Stadt. Nicht die Zürcher Bevölkerung repräsentiert die Parade. Es flüchten übrigens manche Zürcher Familien und hier wohnhafte Menschen aus anderen Ländern am Street-Parade-Wochenende aufs Land oder in die Berge.
 
Und ja: Zürich lässt diesen Anlass der narzisstischen Menschen zu. In einer solchen Veranstaltung geht aber das Individuum in der Masse unter. Man verliert sich. Die Exzesse sind bekannt (Alkohol, Drogen, Sex-Abenteuer).
 
Ich kann aber auch von einem gegenteiligen Erlebnis erzählen. Street-Parade 2004. Von jungen Leuten, die sich selber treu blieben. Ich versah den Präsenzdienst in der Predigerkirche in der Altstadt. Die Tür stand offen, den ganzen Nachmittag lang. Es kamen Menschen, die sich hier ausruhen und vom Lärm absetzen wollten. Auch junge Leute, die anfänglich nur auf den Treppenstufen sassen und das Dröhnen aus dem Umzug etwas abseits noch erträglich empfanden.
 
Eine gute Viertelstunde bevor ich die Kirche schliessen musste, begann ich meine Kontrollgänge und löschte vorn im Chor die Kerze aus. Als ich aus dem Untergeschoss zurückkam, sah ich, dass diese immer noch – oder vielleicht schon wieder? – brannte. Ich stutzte und erinnerte mich, dass das auch schon vorgekommen ist, dass sich ein scheinbar gelöschter Docht nochmals entflammte. Ich ging erneut nach vorn und löschte das Kerzenlicht.
 
Auf der vordersten Kirchenbank sassen 4 junge Männer. Einer, der seinen entblössten Oberkörper mit einem gelben Frottiertuch abdeckte, kam auf mich zu und informierte, dass sie die Kerze nochmals angezündet hätten. Es habe ihnen hier bei diesem Licht so gut gefallen.
 
Ich musste sie aber darüber ins Bild setzen, dass ich auf dem Kontrollgang sei und dass die Kirche in etwa 10 Minuten geschlossen werde. Sie verstanden das und gingen bald lautlos weg.
 
Als auch ich die Kirche verlassen hatte und die Tür abschloss, traf ich sie wieder. Jetzt sassen sie auf der Treppe, hatten Getränke bei sich. Und wieder signalisierten sie, dass es ihnen hier gefalle. Ich wünschte ihnen einen schönen Abend, ohne Gehörschaden, und wies noch auf den jetzt grösser gewordenen Platz hin, weil niemand mehr die Kirche betreten konnte. Sie riefen mir zu, sie gäben sich Mühe, und ich solle unbesorgt sein. Sie würden alles wegräumen, was von ihnen jetzt noch herumliege.
 
Ich denke immer wieder einmal an diese jungen Leute, die sich vielleicht zum ersten Mal der Stadt und ihren Attraktionen näherten, etwas scheu und doch hellwach. Und vor allem hatten sie es nicht nötig, ihren Anstand abzulegen.

Donnerstag, 1. August 2013

Erinnerungen an leise Töne in den Feiern zum 1. August

Die Schweiz feiert ihren Bundesstaat – die Schweizerische Eidgenossenschaft – jeweils am 1. August.
 
Als ich Kind war, fiel das Fest bescheiden aus. Man feierte nur am Abend. Und gemütvoll wurde es erst, als es dunkel geworden war.
Meine ersten Eindrücke von diesem Festtag sind stille Berührungen. Höhenfeuer, flatternde Schweizerfahnen, Dorfmusik und vor allem Licht in der Dunkelheit. Wir Kinder trugen unsere Lampions mit dem Schweizerkreuz in die Nacht hinaus. Sie erhellten unsere Wege.
 
Am 01.08. im Jahr 1947 wanderte die Grossfamilie noch vor dem Eindunkeln auf den Bachtel (von 617 auf 1115 m ü. M.), wenn ich mich richtig erinnere. Mein Vater liebte es, seinen Lebensraum aus der Höhe zu überblicken und erklärte uns Kindern von oben herab das Dorf, seine Strassen und Wege und wo wir zu Hause seien. Mich begeisterte vor allem die Sicht auf den Zürichsee.
 
Ich nehme an, dass wir Kinder, Geschwister und Cousins, oben im Restaurant auf dem Bachtelkulm einen Süssmost bekommen haben. Aber mehr faszinierte uns Kinder der brennende Holzstoss und die Hinweise auf andere, weit entlegene Höhenfeuer, die dann im Nachtdunkel gut sichtbar wurden. Dann der Heimweg durch den gespenstischen Wald. Die Vorsicht beim Gehen. Noch sehe ich Baumwurzeln auf dem geschlängelten, schmalen Pfad. Da galt es aufzupassen. Die Kerzen in den Lampions waren schon längst abgebrannt. Wir fanden unseren Weg trotzdem, weil sich die Augen auf die Dunkelheit einstellen können. Diese Erfahrung kann man heute nicht mehr überall machen. Für mich war sie prägend. Zu diesen inneren Bildern gehört auch eine fröhliche Stimmung, für uns Kinder, dass wir so lange aufbleiben und miteinander durch die Nacht gehen konnten. Und dass wir die Angst vor der Nacht ablegen konnten, weil wir gemeinsam unterwegs waren.
 
Gewiss haben uns die Eltern erklärt, was wir feierten. Aber erst später verstand ich ihre stille Freude an diesem 1. August, denn der kurz vorher beendete 2. Weltkrieg lastete noch auf ihnen, und die bessere Zukunft zeigte sich vorerst noch nicht.
 
Seitdem dann die Hochkonjunktur die ganze Bevölkerung erfasste, gehören Raketen und dominante Feuerwerke und in den letzten Jahren die teuren Fleischstücke auf dem Grill zum 1. August. Seither ist dieses schweizerische Fest laut geworden und hat Besinnliches verdrängt.
 
Mit Primo feierte ich den 1. August einmal auf der Halbinsel Au (Zürichsee). Dabei sahen wir viele kleine, auf dem Wasser torkelnde Lichter. Es war eine Aktion von Swissaid und kam diesem Hilfswerk zugute. Auch wir konnten Kerzenbecher kaufen und sie in ein bereitgestelltes Gitter stellen. Wenn es gefüllt war, trug es ein Froschmann weg. Er setzte sie im See aus, indem er ihnen im Wasser das Drahtgitter von unten her entzog. Da waren sie dann frei für ihre persönliche Reise. Sie schwankten je nach Strömung, manchmal leicht und dann wieder stark. Wir konnten zuschauen, wohin das Wasser sie trieb. Eine Weile lang Richtung Zürich. Dann kamen sie zurück. Später zogen sie Richtung Meilen ein Stück über den See. Und trafen zu unserer Überraschung gegen 23 Uhr im Hafen der Halbinsel wieder ein. Seltsam schön. Von niemandem gesteuert.
 
Zu Beginn ihrer Reise konnte ich unsere beiden Becher im Auge behalten. Aber auf einmal waren sie im grossen Ganzen unterwegs. Dieses „Eigene im Ganzen“ hat mich an diesem Abend bewegt. Es passt zu mir und zu meiner Heimat.

Letztes Jahr, am 1. August 2012, besuchten wir das Bundeshaus in Bern, den Sitz von Regierung und Parlament der Schweizerischen Eidgenossenschaft.
 
Wie sich herausstellte, steht jeweils am Bundesfeiertag das Bundeshaus für Besucher offen. Diese „Offene Tür“ benützten wir erstmals, können sie empfehlen.
 
Wir durften uns frei bewegen und in den Sälen und Gängen aufhalten.
 
Wir waren zu einem guten Zeitpunkt angekommen. Die Warteschlange draussen vor dem Eingang war nicht erschreckend lang. Es fühlte sich gut an, langsam unter den schweizerischen Kantonsflaggen vorwärts zu kommen. Diese waren wie Wäsche hintereinander aufgereiht.
 
Vor uns ging eine Gruppe Compatriotes, also Miteidgenossen aus der welschen Schweiz, und hinter uns einige Gäste aus Japan. Der Eintritt vollzog sich wie beim Einchecken im Flughafen. Man wurde durchleuchtet und auf metallene Gegenstände überprüft. Bei Primo strahlten verschiedene Lampen auf. Seinen Hosentaschen entnahm er Druckbleistift, Brille im Blechetui und den kleinen Schreinermeter, der ebenfalls Metallteile an sich trägt. Ich erzeugte kein Licht, konnte sofort eintreten.
 
Im Nationalratssaal richtete sich um 9:40 h gerade die „Hackbrettformation Andersch“ ein. Wir fanden rechtzeitig einen Sitzplatz und konnten das Konzert geniessen, welches eine ¾-Stunde dauerte. Es stimmte uns heiter und aufmerksam für die dann folgende Fragestunde mit dem Ständerats- und dem Nationalratspräsidenten.
 
Die positive Haltung der beiden Politiker konnte wohl niemand übersehen. Ihre Liebe zur Schweiz war spürbar, auch ihr Wille, dem Land und Volk zu dienen.
 
Ein Kind wollte wissen, wie alt die Schweiz sei. Da stellte es sich heraus, dass es kein ewig gültiges Geburtstagsdatum gibt. Die letzte Anpassung sei mit dem Eintritt des Kantons Jura 1979 nötig geworden.
 
Eine junge Frau sprach die von ihr empfundene Steuerungerechtigkeit an. Es stimme, wurde ihr geantwortet, dass Paare mit Kindern Steuerabzüge machen können. Man solle bedenken, dass solche Eltern auch mehr finanzielle Verpflichtungen hätten und darum etwas Ausgleich erhielten.
 
Auch ausländische Gäste stellten Fragen von ihren Standpunkten aus. Alle wurden klar und freundlich beantwortet.
Abschliessend besuchten wir den Ständeratssaal, die Wandelhalle und im 3. Stock auch den neu eingerichtete Ratssaal mit den heute erforderlichen technischen Installationen. Ein schlichter, zweckdienlicher Raum. Ohne Dekoration. Auf seine nüchterne Art auch schön.
 
Ansprechende Bilder sah ich im Ständeratssaal. Speziell die dargestellte Landsgemeinde, ein 5-teiliges Gemälde von Albert Welti, begann Geschichten zu erzählen. Auch vom Leben, vom Handeln und Verhandeln, von Lösungen, die errungen werden müssen. Ebenso erzählte die Darstellung von Pflichten, Idealen und Hingabe.
Auf der Haupttreppe oben vor dem 1. Stock präsentierte die Schweizerische Schokolade-Vereinigung eine Auslage aller Schweizer Schokolademarken. Gegen den Coupon, der am Eingang verteilt worden war, konnte die Lieblingsschokolade bezogen werden. Ich staunte über Namen und Produkte, die ich nicht kannte.
 
Die gewählte Schokolade nahm ich gern entgegen. Danke schön!

Samstag, 20. Juli 2013

Die Ehe als Lebensgemeinschaft wird lächerlich gemacht

Die NZZ am Sonntag präsentierte im Juni 2013 im Bund Wissen den Beitrag Mythos Ehe und behandelte diesen im Zusammenhang mit der umstrittenen Homo-Ehe.
 
Ergänzt wurde der Text mit einer mehr als 100-jährigen Hochzeitsfoto, auf der 3 Paare abgebildet sind. Ein packendes Bild, das mich nicht so schnell wieder losliess. Der Kleidung nach müssen es gut situierte Paare gewesen sein. Alle sind festlich gekleidet. Die Frauen in Weiss mit dem noch heute traditionellen Blumenbouquet. Eine der Bräute trug einen mit Kräutern oder Wiesenblumen geschmückten Schleier. Die beiden andern hatten eine kunstvolle Frisur. Die Männer trugen Handschuhe. Auch ihre Kleidung tadellos, einem wichtigen Fest und dem persönlichen Stand entsprechend. Alle Personen schauen ernst und auf eine Art leblos zum Fotografen hin.
 
Unter der Foto las ich die hämische Beschriftung: „Männlicher Beschützer und Ernährer heiratet Heimchen am Herd: Die vermeintlich traditionelle Ehe um 1900.“
 
Ich begann, den Artikel zu lesen. Er widerte mich aber an. Ich legte ihn weg. Und dachte dazu: Hier will man am Fundament der Institution Ehe rütteln. Wer will das?
 
Eine Woche später, wieder in derselben Zeitung, treffe ich die erwähnte Foto nochmals an. Jetzt von Leserbriefen begleitet. Mit neuem Titel, einem Zitat der Patriarchatskritikerin Olympe de Gouges: Die Ehe ist das Grab der Liebe, mit dem aber nicht alle Reaktionen einig waren.

Ich kann Herrn M.G. aus Riehen nur zustimmen, dass dieser Beitrag den Eindruck erwecke, wer sich traditionell verheirate, sei ein Trottel oder Dummchen. Wer aber eine Home-Ehe eingehe, erfreue sich des grossen, erfüllenden Glücks.
 
Als ich meinem Mann die erwähnte Foto zeigte, sagte er, es habe mit der damaligen Fototechnik zu tun, dass die abgebildeten Personen etwas freudlos wirken. Um 1900 gab es noch keine Fotoapparate, wie wir sie heute benützen. Auch Schnappschüsse waren unbekannt.
 
Als noch mit Magnesiumblitz gearbeitet wurde, erklärte er mir, hätten die Personen einige Sekunden bewegungslos dastehen müssen. Sie durften sich erst wieder entspannen, nachdem der Fotograf das Zeichen dafür gegeben hatte. Darum spreche man von solchen Aufnahmen von Marmorfiguren, weil die Abzubildenden den Atem anhielten und in einer Art Starre verharrten.
 
Wissen das Fotografen von heute nicht? Oder wurde bewusst eine solche Foto publiziert, um die Ehe lächerlich zu machen? Und wenn sie das Grab der Liebe ist, wie es Olympe de Gouges gesagt haben soll, dann vielleicht darum, weil sie Liebe mit Sexualität verwechselt.
 
Exakt in der Woche zwischen den beiden Veröffentlichungen traf ich auf ein betagtes Paar, das ich als Modell einer erfüllten Ehe wahrgenommen habe. Ich kannte die beiden bis dahin nicht.
 
Sie gingen vor mir her. 2 Personen, gleich gross gewachsen. Im Gleichschritt. Besonnen. Ruhig und freundlich und offensichtlich zusammengehörend. Als ich sie überholte, grüssten wir einander. Es war mir, als verbinde diese Menschen eine gemeinsame Aura.
 
Oben auf der Krete des Friedhofs Eichbühl angekommen, sah ich von weitem den Hügelzug Lägern. Ich setzte mich auf eine Bank und schaute in seine Landschaft hinein.
 
Dann kam auch das erwähnte Paar hier oben an. Wir wechselten ein paar Worte, und es stellte sich heraus, dass der Mann erblindet war. Er könne mich nur als eine Art Wolke wahrnehmen. Allein dass seine Frau neben ihm ging, gab ihm Sicherheit. Er benützte keinen Stock. Er sagte, diesen Weg kenne er gut. Sie kämen oft hierher.
 
Er erzählte mir auch, dass er viele Jahre als Masseur gearbeitet und ihm der Arzt geraten habe, diese Tätigkeit weiterhin auszuüben. Die Kraft dafür sei immer noch da. Täglich profitiere sie davon, erzählte die Frau. Er ist über 90 Jahre alt. Die Frau nur wenig Jahre jünger. Beide strahlen ein starkes Zusammengehörigkeitsgefühl und einen beeindruckenden Frieden aus.
 
Es ist meine Überzeugung, dass die Ehe eine Lebensschule sein kann, in der 2 Persönlichkeiten so viel Bewusstsein entwickeln, dass es für beide möglich wird, sich zu entfalten und gleichzeitig einander zu unterstützen. Dazu gehört, dass Reibungen entstehen, sich beide aneinander schleifen. Und das weiss ich aus der Werkstatt meines Mannes, dass erst dann, wenn das Holz geschliffen und auch noch mit einem Lack geschützt ist, sich in der Struktur die Schönheit zeigen kann.
 
Das Paar, von dem ich erzählte, es strahlte sie aus.

Dienstag, 9. Juli 2013

In der Rheinschlucht und in Obersaxen. Das Tüpfli aufs i

Wir reisten über Chur nach Ilanz und von dort mit dem Postauto nach Obersaxen. Später hielten wir uns in der Rheinschlucht auf, diesem imposanten Naturdenkmal, dessen Geschichte vor etwa 10 000 Jahren mit dem gewaltigen Flimser Bergsturz begann. Im Lauf der Jahrtausende bahnte sich dort der Vorderrhein seinen Weg durch die Bergsturzmassen und formte so die 20 km lange Rheinschlucht – die Ruinaulta.

Als wir in Versam eingetroffen waren und den Weg zum Rheinufer gefunden hatten, markierte ein lichtes Wäldchen den Eingang in die Schlucht. Und seine Atmosphäre bewirkte augenblicklich, dass wir still standen. Etwas in uns wollte sich noch auf das Naturschauspiel vorbereiten und dafür sorgen, dass wir ihm respektvoll begegnen. In der Art wie man einen sakralen Raum betritt.
Der erste Eindruck also: die hellgrünen Bäume. Der zweite von einem Vorhang, den ein Nadel- und ein Laubbaum miteinander aufgehängt hatten. Ihre ausladenden Äste berührten sich nur leicht, und ihr gemeinsamer und durchlässiger Vorhang wirkte wie ein durchbrochener Spitzenstoff. Ganz oben auf der Felswand am andern Rheinufer nahm ich einige Tännchen wahr. Wie Figuren in einem Ehren- und Ruhmespalast . Die aufgefaltete Felswand mit ihren bizarren Formen spielte in diesem Moment noch etwas Verstecken. Erst als wir ein paar weitere Schritte gemacht und unter dem Baumvorhang hindurch gegangen waren, befanden wir uns in der offenen Schlucht. Eine Wucht. Nicht zum ersten Mal waren wir da angekommen. Aber jedes Mal ist eine Begegnung mit ihr überwältigend. Sie mächtig, uralt, erhaben. Wir nur kleine, im Verhältnis zu ihr sehr junge und unerfahrene Menschen.


Es waren nur noch 3 Frauen an diesem Ort. Sie sassen auf einer Kiesbank, also am Boden, viele Meter von uns entfernt. Wir störten einander nicht. In solchen Momenten reden Primo und ich nicht. Er widmet sich den Flusssteinen, ihren Farben, Formen und Adern. Und ich lasse mich von den Gesichtern und Figuren an den Felswänden ansprechen. Dabei bin ich dann zeitlos, lasse mir alle Strömungen zukommen. Und weil es der Rhein ist, der vorbei fliesst, strecke ich selbstverständlich meine Hände in sein milchiges Wasser. Die Geschichte von der Forelle, die ich im Blog vom 25.3.2007 – Der Rheinfall bei Schaffhausen beschrieben habe, begründete unsere Freundschaft.

Später trafen dann 4 Funyaks (aufblasbare Kajaks) ein. Geführt von einem Kanulehrer, der den Weg wies, selber aber durch wilde Wasserbereiche fuhr. Ruhig kamen sie alle an Land, trugen ihre Boote weg, brachten sie in die hier ansässige Kanuschule zurück.
Die Rheinschlucht sei ein einzigartiges Paddelgebiet in Europa, las ich in einem Prospektblatt. Der Fluss verläuft in Schlangenlinien den verschiedenen Felswänden entlang und führt die Kanuten durch seine Räume. Auch Reisende in der Rhätischen Bahn ab Chur Richtung Disentis können dieses Naturwunder geniessen. Die Bahnlinie ist so geführt, dass sie viele Einsichten in die Flusswindungen vermitteln kann. Im ersten Drittel der Fahrt ist ein Sitzplatz links im Waggon vorteilhaft, später dann wird es auf der rechten Seite spannend. Die Felsenlandschaft ist aus meiner Sicht unvorstellbar phantasievoll. Und ihr helles Gestein strahlt aus, wie wenn die Oberflächen erst kürzlich geschliffen worden wären.
Oben in Obersaxen suchten wir die Nähe des Piz Mundaun (2064 m). Primo war als 10-Jähriger hieher gekommen und durfte zusammen mit 30 Pfadfindern diesen hohen Berg besteigen. Für einen aus der Stadt Zürich, der nahe dem Hauptbahnhof ohne Grünfläche aufgewachsen ist, war das eine Offenbarung, die noch immer nachhallt. Die Höhe und weite Sicht sind prägend. Dieser Berg erschien mir nicht so hoch wie es die Zahl ausdrückt. Wir befanden uns aber bereits auf 1281 m, als ich ihn von nahem sah.
Dann gingen wir auf der Hauptstrasse und bewunderten das Gras, das zum Heu geworden war und sich vom Wind wiegen liess. Was für eine Augenweide: die Grösse der Felder und ihr Reichtum an Blumen und Gräsern. Wir entdeckten das Zittergras, das wir in Zürich und Umgebung nicht finden können. Und wir kamen an Wegkapellen vorbei und fühlten uns an diesem Tag auch als Pilger. Von den bekannten Orten und Wegen hatten wir uns verabschiedet, waren offen für neue Sichten und Welten und fühlten uns dem Himmel auch noch etwas näher als sonst.
Ich schätze jeweils Gespräche mit dem Postauto-Chauffeur und die Informationen, die nur ein Einheimischer geben kann. Diesmal wusste er, wo wir uns verköstigen könnten. Er nannte das Steinhauser Zentrum in Meierhof, Obersaxen. Und wir vereinbarten, wo und wann wir ihn an der entsprechenden Station wieder erwarten durften.
Das Sonntagsmenu verdiente seinen Namen, und die Atmosphäre behagte uns. Wir waren in einem modern gestalteten Altersheim gelandet, in dessen Caféteria auch sogenannt gewöhnliche Gäste bedient werden.
Bevor wir weiterzogen, war auch für die Bewohner dieses Hauses das Mahl beendet. Wir wissen nicht, ob es die Hausverwalterin war, die dann zum Spass durch die Finger pfiff. Heimbewohner pfiffen zurück, auch Primo machte da sofort mit. Eine ganz ungewöhnliche Form von Kommunikation, die mir unter die Haut ging. Ich hörte dann noch eine alte Frau rufen, sie sei das gewohnt, habe als Kind Ziegen gehütet und wisse, wie man sie herbeirufe. Diese Zugabe setzte gleich das „Tüpfli aufs i“, wie wir im Dialekt sagen, wenn alles stimmt.

Sonntag, 30. Juni 2013

Sommergeschichten mit Blumen, Schnecken, Labyrinth

Neuerdings dürfen kleinere Flächen Gräser und Wiesenblumen stehen bleiben, wenn die Hausverwalter der Wohnsiedlungen das Gras mähen müssen. Je nach Umfeld sind es kleine oder grössere Vierecke, die uns ansprechen. Eine feine Art der Grünflächengestaltung. Sie lockern die Ordnungsstrenge auf. Mich erinnern diese Flächen an die Kindheit auf dem Land, wenn ganze Felder so dastanden und sich vom Wind bewegen liessen. Bei uns vor dem Haus wurde einer Gruppe von 7 Margeriten das Leben verlängert. Anfänglich standen sie da, wie man es von diesen Blumen gewohnt ist. Aufrecht und locker neben- oder hintereinander. Ich beobachte sie nun seit Ende Mai und erlebe, dass sie sich vermehren. Es sind 6 Kinder dazugekommen. Diese Kleinen sind der Erde noch näher. Und die Grossen wurden von Wind und Unwetter und vielleicht von mir nicht erkennbaren Strömungen etwas heruntergedrückt, so dass jetzt alle zusammen einen Kreis bilden. Wenn ein leiser Wind weht, tanzen sie einen Reigen. Vorhin gerade zum nachmittäglichen Glockengeläute aus dem Tal. Sie haben ihre Form oder Aufgabe gefunden, scheinen zufrieden, dass sie noch nicht geschnitten worden sind.

Da denke ich gleich an einen grossen Freund von ihnen. An den Blumenmärchen-Maler Ernst Kreidolf (1863‒1956). Seine Geschichten entstammen dieser Welt. Ich freue mich, dass die Schweizer Post 2 Briefmarken à je 1 CHF zu seinem 150. Geburtstag herausgegeben hat. Seit März 2013 sind diese im Umlauf. Die eine trägt den Titel Bei den Stiefmütterchen, die andere Herbstzug.
 
Eine weitere Geschichte liefern die Schnecken. Diese hatten die spät blühenden Pfingstrosen beim Hauseingang überfallen.
 
Die junge Frau, die sich erstmals um unsere Blumenrabatten kümmert, erschrak und wollte sofort eingreifen. Ich sah, wie sie mit einer Flasche Bier hantierte. Eine Methode, die Schnecken anzieht und ertrinken lässt. Als wir selbst noch einen Garten pflegten, wurde auch uns diese Methode empfohlen. Sie missfiel mir aber bald. So setzte ich nur noch Pflanzen, die von den Schnecken gemieden werden. Es wuchsen bei uns gleichwohl Blumen, aber nur solche der robusten Art. Keine, die wir mit Chemie hätten schützen müssen. Darum kannte Letizia, damals Primarschülerin, die Schneckenplage nicht. Im Nachbarsgarten aber wurden Körner ausgelegt. Da wurde sie aufmerksam und sehr traurig, dass ein Massenmord bevorstand. Sie sagte zu mir, sie möchte kein solches Leben haben, das andere Leben angreifen müsse. Sie sah, wie Pflanzen starben, weil sie von ihnen angefressen worden sind. Aber es gefiel ihr auch nicht, wie man jemand in eine Falle lockt und dann umbringt.
 
Einen ganz anderen Gedanke zu diesem Thema fing ich an einem Vortrag über Gärten auf. Da war auch eine der Frauen anwesend, die das Labyrinth im Zeughaushof/Kasernenareall in Zürich einmal im Monat betreut. Sie wurde gefragt, wie sie gegen Schnecken vorgehe. Ihre Antwort beeindruckte uns alle. Sie sagte, beim Gärtnern solle man nicht alles für sich beanspruchen. Man müsse teilen. Teilen, auch mit den Schnecken, die sich an gewissen Pflanzen verköstigen. Wir müssten auch die Ernte teilen, mit Freude andern davon etwas weitergeben.
 
Nun habe ich diesen Labyrinthplatz endlich einmal besucht. Er existiert schon 22 Jahre, wurde von Frauen erfunden und zum Leben erweckt. Das Labyrinth als Sinnbild unserer Lebenswege. Mit Umgängen, die nach und nach ins Zentrum führen. Es ist ein Ort von Frauen für Frauen geschaffen.



Hier sollen und dürfen sie öffentlich ihre Ideen und Meinungen, ihre Kreativität und ihre Aktivitäten leben. Sie zeigen und in die Welt bringen.
 
Für das Jahr 2013 sind über 50 verschiedene Veranstaltungen aufgelistet. Diese sind auch im Internet zu finden.
 
Im Logo für den Labyrinthplatz Zürich erkennen wir die weibliche Kraft als Tor zum Leben. Sie weist den Weg, der von ihr ausgeht und in diesem Irrgarten in 7 Umgängen zur Mitte führt. An üppig blühenden und auch an bereits verblühten Pflanzen vorbei. Hier leben unterschiedliche Gewächse friedlich nebeneinander. Hoch gewachsene, kleine mit Bodenhaftung, sperrige grossflächige, bescheidene und solche mit Darstellungsbedürfnis. Es scheint, dass da keine Platzstreitigkeiten aufkommen. Es müssen erfahrene Gärtnerinnen mitgewirkt haben, die sie verhindern konnten.
 
Der Weg zur Mitte wird links und rechts von diesen Gewächsen begleitet. Ich ging langsam, blieb wieder stehen, schaute auf die Farben einzelner Blumen, schaute vorwärts, rückwärts und durchs dichte Gebüsch. Die Sicht nach innen und nach aussen änderte ständig. Es mussten auch Entscheidungen gefällt werden. Oft zeigten sich kleine Steinplatten als symbolische Brücken, um in die nebenan verlaufene Wegschleife zu wechseln. Eine gewisse persönliche Freiheit ist damit gegeben. Doch liegt diesem Garten ein harmonisches Muster zugrunde. Wer ihm folgt, ist im Einklang mit ihm, muss nicht herumirren, kann die Schönheiten am Weg erkennen.
In der Mitte angekommen, erwartet einen das Steinlabyrinth. Ohne Blumen, ohne Grün. Es ist leicht zu gehen, leicht zu überschauen.
 
Beide haben ihren Charme. Beide können uns tiefsinnige Gedanken vermitteln.

Sonntag, 23. Juni 2013

Führte Zöliakie zum Lesen und zur Stubenbuchhandlung?

Wir begegneten uns im Zürcher Maag-Areal an der lifeair 2009, eine Messe rund um Natur, Umwelt und Nachhaltigkeit. Als Ganzheitliche Ernährungsberaterin beantwortete sie anfallende Fragen am Stand eines Aargauer Ölproduzenten. Wir kamen ins Gespräch. Von ihr hörte ich erstmals den Begriff Zöliakie. Sie erklärte mir, dass es sich bei dieser Erkrankung um eine Unverträglichkeit handle, welche durch die Einhaltung einer strikten glutenfreien Ernährung geheilt werden könne. Und wie auch das Leinöl wunderbare Wirkung zeige.
 
Inzwischen weiss ich, dass sie selbst davon betroffen ist. In ihrer Kindheit war das Geheimnis dieser Erkrankung noch nicht gelüftet. Sie erzählte mir, dass sich ihr Leben im Kleinkindalter meist im Bett abgespielt habe. Diese chronische Entzündung des Dünndarms schwächte sie dermassen, dass sie sich zeitweise nicht aufrichten und stehen konnte.
 
Die lange Geschichte, wie sich das alles vollzog, dass sie heute als gesunde Persönlichkeit leben kann, die kenne ich nicht weiter. Aber es verwundert nicht, dass Beatrix Baumgartner Ernährungsberaterin geworden ist. Mit grosser Erfahrung und ganzheitlichem Wissen. Sie bietet Beratungen an, hält Vorträge und hilft Betroffenen dabei, die passende, heilende Ernährung zu finden. www.xundundguet.ch
 
Und sie versichert eindringlich, der Erfolg liege in den eigenen Händen jeder betroffenen Person. Sie wähle die glutenfreie Nahrung, sie bestimme, was sie sich zuführe.


Mir wollte sie dieser Tage ihr neu eingerichtetes Buchantiquariat an der Seminarstrasse 60 in CH-5430 Wettingen zeigen. Es ist in diesem Frühjahr 2013 entstanden. Sie nennt es Allegra Allerhand & Allerlei. Die Freude am Wort und an Büchern entwickelte sich ebenfalls aus der Isolation, die die Zöliakie von ihr als Kind forderte. Ihre Mutter half ihr, die Buchstaben zu verstehen. Einer nach dem andern. Wie man sie schreibt und liest, wie sie tönen. Und dann gelang es ihr, sich das Lesen selber beizubringen. Da wurde ihr Leben plötzlich spannend. Sie empfindet ihre Kindheit darum interessant und fühlt kein Manko. Und wird darum so gerne von Büchern umgeben sein.
 
So ist ihre neu eingerichtete Buchhandlung gestaltet. Ich nenne sie „Stubenbuchhandlung“. Man fühlt sich gut aufgehoben in diesem Raum, in dem 2 grosse Büchergestelle mit viertelkreisähnlicher Front einander gegenüberstehen und 2 Zimmerecken verstecken. Es entstand für mich der Eindruck: Hier bist du von Büchern umarmt. In der Mitte des Raums lädt ein Tisch zum Verweilen ein. Aus den Gestellen winken Buchrücken mit Titeln und Namen von Autoren. Schnell ist auszumachen, dass hier Werke sowohl aus vergangener als auch aus heutiget Zeit als Zweithandbücher angeboten werden.
 
Beatrix Baumgartner verkauft keine neuen Bücher. Was in ihrer Stubenbuchhandlung aufliegt, hat sie an Märkten gefunden. Bücher, die alle schon gelesen und gebraucht wurden, also durch fremde Hände gegangen sind. Es sind auserlesene Stücke, die ihrer persönlichen Wellenlänge entsprechen. Ich entdeckte alte Werke, aber auch aktuelle Literatur. Bei ihr entsorgt man aber keine Bücher. Sie selbst sucht diese aus, lässt sich von ihnen ansprechen. So ist denn jedes ein auserwähltes. Es ist zudem ihr Wunsch, dass jedes Exemplar, das sie anbietet, erschwinglich sein soll.
 
Das Angebot umfasst viele Bereiche. Ernährung, Kochbücher, Gesundheit, Naturheilkunde, Heilkunst, Zöliakie, Familienratgeber, Frauen, Pädagogik, Brauchtum, Helvetica, Handarbeit, Belletristik, und etwas Esoterik mit Bodenhaftung, sagte sie noch schmunzelnd dazu. Bei ihr kauften sogar Sennen, Schreiner und Holzbearbeiter Bücher ein, erzählte sie.
 
In einem anderen Raum im Eingangsbereich sind viele Kinderbücher ausgestellt. In beiden Räumen gestalten Dekorationselemente mit. Diese sind mit dem Titel Allerhand & Allerlei gemeint. Wertvolles Kinderspielzeug bei den Kinderbüchern und ebenso wertvolle Gegenstände aus Holz in der „Stube“ sprechen von der Schönheit geliebter Dinge. www.allegra-ch.ch
 
Ursprünglich baute sie ihren Zweithandbücher-Shop www.buchfix.ch auf. Ihn betreut sie weiterhin. Es macht ihr Spass, die bestellten Bücher liebe- und fantasievoll zu verpacken. Sie benützt auch da Material, das schon einmal gebraucht worden ist, denn Nachhaltigkeit ist auch ein wichtiges Anliegen von ihr.

Donnerstag, 30. Mai 2013

Kopftuch: Rotes Tuch, auch wenn der Stoff nicht rot ist

Heute, auf meinem Spaziergang auf Schlierenberg, zog ich mein Foulard vom Hals weg und band es um den Kopf. Es wehte ein giftiger Wind.
 
Ich war allein unterwegs. Gedanken kamen und gingen und liessen ein Kopftucherlebnis aufsteigen. Ich „hörte“ Mena, damals 6-jährig, vorwurfsvoll rufen: Groosiii! (Grossmutter) Warum trägst Du ein Kopftuch? Obwohl noch nicht lange auf der Welt, hatte sie schon mitbekommen, dass es Streit auslösen kann. Eine Frau in der Schulküche trug ein solches und wurde deswegen kritisiert. Ich trug es damals, weil wir uns in den Bergen und zudem noch in einer Nebelwolke befanden. Ich konnte ihr dann erklären, dass mich das Kopftuch beschütze, Erkältungen vermeide. Sie schaute mich gross an und registrierte meine Antwort.
 
Es sind ein paar Jahre vergangen, und noch immer werden sogenannte „Kopftuchdebatten“ geführt. In letzter Zeit fragte ich mich auch schon: Kommt es noch soweit, dass auch farbige Seidentücher kritisiert werden? Also, ich werde es immer dann tragen, wenn es meine Gesundheit und mein Wohlbefinden unterstützt.

Wenn Frauen von Männern und ihrer Kultur gezwungen werden, ihre Haare unter einem Stoff zu verbergen, ist das auch in meinen Augen verwerflich. Ich sehe aber auch ein, dass es Gründe gibt, das Kopftuch gern zu tragen.
 
Für Frauen, die ihre Heimat aus politischen Gründen verlassen mussten, ist es gewiss eine Zeitlang noch die greifbare Verbindung zur Herkunft. Eine Gewohnheit, die selbstverständlich ist. Und diese sollte ihnen nicht einfach wegbefohlen werden. Gut Ding will Weile haben, lautet ein altes Sprichwort. Ein neues Selbstverständnis kann nicht auf Knopfdruck erreicht werden. Wachstum geschieht langsam und behutsam. Das gilt auch fürs Heimischwerden in der Fremde.
 
Ich kann mir vorstellen, dass eingewanderte Frauen die hiesigen bewundern, vielleicht sogar beneiden, weil diese die Schönheit ihres Haars offen zeigen dürfen. Und dass daraus der Wunsch entsteht, es ihnen gleich zu tun. Dass dann eines Tages das Kopftuch abgelegt wird, ist der Schlusspunkt einer Entwicklung. Es durfte ein neues Selbstbewusstsein entstehen.
 
Wir alle, die über die Winterwochen eine wollene Mütze tragen, erleben im Frühling einen ähnlichen Übergang. Es ist nicht immer einfach, einen Schutz von einem auf den andern Tag abzulegen. Wie oft schon lösten giftige Winde Kopfschmerzen aus. In diesem Zusammenhang berührte es mich auch, dass sogar die Männer (Strahler) vom Planggenstock damals dafür sorgten, dass die gefundenen Kristalle nicht erschreckten, als sie diese aus dem Berg hinaus ins Freie führten (siehe Blog Flüelen UR: Begegnung mit kräftigenden Riesenkristallen).
Wir müssen uns nicht wundern, dass die Bekleidungsvorschriften und vor allem das Kopftuch in vielen muslimischen Familien immer noch als moralischer Schutz herhalten müssen. Die freizügigen Sitten in Europa haben die Zugewanderten erschreckt.

Sonntag, 12. Mai 2013

Die Sicht vom Herrenbergli zum Briefzentrum Mülligen ZH

Das Herrenbergli sei ein Geheimtipp, las ich in einem Prospektblatt von „Grün Stadt Zürich“, in dem die Grünflächen von Albisrieden und Altstetten vorgestellt sind. Gemeint waren Friedhöfe, Parkanlagen, Verkehrsgrün, Schulgrün, Sportanlagen und extensive Grünflächen. Diese grüne Dienstabteilung der Stadt Zürich pflegt 4440 Hektaren öffentlichen Grünraum und weiss Bescheid, wo es schön ist.
Dahin luden wir unsere beiden Töchter und Mena, unsere Enkelin, zu einem Spaziergang ein. Einen Berg zu besteigen, ist immer spannend. Er muss nicht hoch sein. Aber wenn er uns Übersicht schenkt, dann ist es ein richtiger Berg. Beim Herrenbergli handelt es sich um einen Moränenhügel. Sein Name endet mit der Verkleinerungsform –li. Es muss sich also um einen kleinen Berg handeln. Was es mit den Herren zu tun hat, ist unbeantwortet. Ich denke an Arbeitgeber von einst. Die Herren waren Besitzer, ihnen untertan die Arbeiter und Vorarbeiter. Vielleicht gehörte der Hügel einmal einem Fabrikanten.
 
Das Herrenbergli ist heute allen zugänglich. Es sind mir 3 Wege bekannt. Einer mit einer direkten Treppe am Ende des Blinddarms der Dachslernstrasse. Wir benützten den Pfad durch die Wiese, der vom Alters- und Pflegezentrum Herrenbergli nach oben führt.
 
Oben auf der Krete laden 2 Sitzbänke zum Verweilen ein. Mit Blick über die Stadt, zum Hönggerberg und unten ins Tal, zum Briefzentrum Mülligen. Eine Gelegenheit, der 11-jährigen Enkelin diese Drehscheibe unserer Korrespondenz zu zeigen. Mena hat mir schon manche Karten und Briefe geschrieben, die dieses wichtige Zentrum passieren mussten. Es ist das einzige, das in der Schweiz die internationale Briefpost verarbeitet. Auf einer Grundfläche von ungefähr 70 000 m2 arbeiten etwa 1200 Postangestellte.
 
Die Distanz zu unserem Zuhause ist gering. Ich stelle mir immer vor, dass am Abend, wenn der gelbe Briefkasten an unserer Strasse geleert wird, die eingeworfene Post ohne viele Umwege nach Mülligen komme und anschliessend z. B. nach Paris weitergeleitet werde. Ob es stimmt, dass sich meine Briefe dann im obersten Sack befinden und darum zuerst verarbeitet werden, ist wahrscheinlich eine Illusion. Und doch: Meine Briefe werden zuverlässig eingesammelt und rasch auf die Reise geschickt.
Dann erinnerten sich die Töchter daran, dass ich mir schon gewünscht habe, selber als kleines Paket oder Brief zu reisen, damit ich erfahren könnte, wie sich eine Reise von A nach B anfühlt. Und sie sprachen aus, wie das wäre, wenn ich als Sendung auf dem Fliessband daher käme.

Du willst sicher sofort wissen, wer neben dir liegt. Und dich fragen: Wer hat mich geschrieben? Bin ich eine Rechnung oder ein Liebesbrief? Wohin reise ich? Und schnell bemerken, dass mich ein schöner Briefumschlag umgibt. Feines Papier und Briefmarken aus der Philatelie. Nebenan ein voluminöser A-Postbrief, von dem ich erwarte, dass er von Hand sortiert werden muss, weil er die Schleuse der 2 cm Dicke vielleicht nicht passieren kann. Gewiss wirst du auch neben dir reisende Sendungen ansprechen. Nach dem Woher und Wohin fragen und über die Namen der Orte staunen. Und falls du als kleines Paket unterwegs bist, fällst du vielleicht irgendwo hinunter, verursachst Lärm. So Primos Vorstellung. Und er spielte uns entsprechende Geräusche vor.
 
Es wurde auch darüber gesprochen, dass ich die einzelnen Postsäcke, in denen ich spediert worden war, beschreiben würde. Vielleicht so: Es müffelte, war modrig, ein kleines Loch spendete etwas Licht. Schlafen konnten wir nicht. Einige Sendungen stöhnten. Über uns allen lag eine schwere Last. Und die Bahnwagen schepperten, machten Lärm. Nach langer Fahrt dann die Ankunft in Paris. Heiteres, weisses Licht. Fremde Stimmen, eine fremde Sprache. Und ähnliche Manöver wie in Mülligen, jetzt in umgekehrter Reihenfolge. Wurde in Zürich Post aus den gelben Kästen eingesammelt, müssen sie hier in die Briefkästen der Wohnhäuser verteilt werden. Darum ist die korrekte Anschrift so wichtig.
 
Und ich stellte mir dann ganz still und ohne es auszusprechen vor, wie ich in Zürich-Altstetten ankomme. Ich bin da noch ein von Mena geschriebener Brief. Aber sobald sich der Briefkasten im Hauseingang öffnet, auch wieder die normale Grossmutter, die ihm Post aus Paris entnimmt. Da wurde es dann hell für den Brief, und auch für mich.

Samstag, 20. April 2013

2 Geschichten, die dem Markt in Oerlikon entsprangen

Die erste Geschichte:
Auf dem Früchte- und Gemüsemarkt in Zürich-Oerlikon habe ich nochmals Tarocco-Orangen gekauft. Der Händler sagte, das seien die letzten dieser Saison, bald nur noch eine Erinnerung.
 
Und dann, als ich eine schälte, kam mir Leo in den Sinn ‒ der Sizilianer, der mit 6 Arbeitskollegen wie wir damals in einem Bernoulli-Reihenhaus lebte und uns einmal nach der Rückkehr aus den Weihnachtsferien in seiner Heimat eine Prachtsorange brachte. Er läutete an unserer Tür, grüsste, strahlte und erzählte von seiner Reise. 24 Stunden habe sie gedauert. Von Anfang an sei der Zug überfüllt gewesen. Man habe die Sitzplätze mehrheitlich den Frauen überlassen. Und die restlichen abwechselnd benützt. Er habe manche Stunde auf dem gestapelten Gepäck etwas ruhen, aber nicht schlafen können. „Und jetzt koche ich Spaghetti!“ rief er noch, bevor er im Nachbarhaus verschwand.

Er brachte uns also die Orange, bevor er zu kochen begann. Noch „sehe“ ich ihn und die Freude auf seinem Gesicht, als er uns grüsste und ein gutes Neujahr wünschte. Auch wenn er jetzt wieder in der Fremde angekommen war, hier war er nicht fremd, und das spürte er.
 
Leo zeigte mir einmal, wie sich die Männer eingerichtet hatten und er nannte den Preis pro Schlafplatz, der ihnen vom Lohn abgezogen wurde. In meinen Augen überrissen. Ein Wohnort im eigentlichen Sinn war es nicht. 7 Matratzen. Eine Unterkunft, ja. Und ein Glück, dass Bernoulli die Küchen geräumig entworfen hatte. Hier konnten diese Bauarbeiter am Abend selber kochen und an einen gemeinsamen Tisch sitzen. Alle gehörten zur selben Firma.
 
Leo verstand es, Körbe zu flechten. Im Frühjahr schnitt er am Limmatufer geeignete Weidenruten. Er legte sie ins Wasser, wusste, wie er sie behandeln musste. Und wir schauten dann zu, wenn er diese im Garten zu Schalen oder Körben flocht. Handwerkliches Geschick und Schönheitssinn waren ihm mitgegeben und dürften auch auf den Baustellen geschätzt worden sein. Wo mag er heute sein?
 
Die zweite Geschichte, ebenfalls vom Früchte- und Gemüsemarkt:
Rüebli und Radisli
Primo und ich beobachteten dort eine Hortleiterin mit 5 Kindern. Sie waren auf den Marktplatz gekommen, um Früchte und Gemüse zu benennen. Jedes Kind hielt einen Zettel in Händen. Darauf war eine Frucht oder ein Gemüse notiert. Diese(s) wurde(n) gesucht und dann gekauft. Artig grüsste das entsprechende Kind die Frau oder den Mann am Stand „Guten Morgen!“ Und las dann den Namen vom Zettel. Radieschen. Ja, solche wollte der Bub kaufen. Die Hortnerin zeigte noch auf das Preisschild und dass man dort den Namen lesen könne, wenn man ihn vergessen habe. Ein anderes Kind wollte Erdbeeren kaufen. Die Marktfahrerin hatte viel Geduld mit ihm. Es war schwierig für das Mädchen, sich für eine der bereits abgepackten Portionen zu entscheiden. Wir blieben eine Weile stehen und beobachteten diesen praktischen Unterricht. Die Kinder, zum Teil aus fernen Ländern, waren sehr aufmerksam und interessiert. Ein Knabe hielt uns seine Papiertasche hin, damit wir sehen konnten, was er gekauft hatte.
 
Später sahen wir noch eine weitere Führung: Um eine andere Hortnerin geschart, kleinere Kinder, die noch nicht lesen konnten. Aber auch ihnen wurden Früchte gezeigt und diese benannt. Und wieder etwas später trafen wir auf 3 afrikanische Frauen, denen die Produkte in den Auslagen von einer schweizerischen Begleiterin erklärt wurden.
 
Der Markt zeigte sich an diesem Morgen als Freilichtschule. Auch für uns. Wir kamen mit jenem Marktfahrer ins Gespräch, der seinen Cicorino verde zu einem Rosenbett zusammengefügt hatte. Es sei ihm ein Anliegen, diese grünen Rosettenzichorien so zu präsentieren, wie sie gewachsen seien. Aufrecht stehend, Rose an Rose, hatte er sie in ein hölzernes Kistchen platziert und mit diesem ein schönes Bild geschaffen. Den Blättern schien es zu gefallen. Er zeigte uns, wie sie sich aneinander anschmiegten und aufrollten. Das ungehobelte Holz des Kistchen schenkte den schlichten Rahmen dazu.
 
Vielleicht, weil dieser Mann sah, dass wir seine Feinfühligkeit erkannten, wetterte er über alle Händler, die solche Schönheit nur auf einen Haufen werfen. Etwas Gewachsenes muss man doch auch bewundern, nicht nur essen wollen, schien er zu sagen. Er freute sich, dass wir gleicher Meinung waren.
 
Eine weitere Spezialität an seinem Stand: Einige wenige Eier von Gänsen, Enten und Zwerghühnern. Mit sanft farbigen Schalen, schöner als sie Osterhasen färben können. Da langten wir zu.
 
Zudem trugen wir Blumensetzlinge heim. Sie läuteten noch am selben Nachmittag unseren persönlichen Balkon-Frühling ein. Es war ein Tag wie aus dem Bilderbuch. Heute aber regnet es. Und die Temperatur ist gefallen. Wie froh bin ich, dass die Gärtnerin, die mir Setzlinge verkaufte, noch darauf hingewiesen hat, dass diese robust und unverdorben seien.